10 wichtige Tipps zum Handelsvertreterausgleich!

Nachfolgend erhalten Sie in aller Kürze 10 wichtige Tipps rund um den Handelsvertreterausgleich

  • Vertragsbeendigungen, die den Anspruch des Handelsvertreters auf Ausgleich ausschließen:

    Erhält der Handelsvertreter eine ordentliche Kündigung, kündigt dieser außerordentlich wirksam, endet ein befristetes Handelsvertreterverhältnis oder wird eine Aufhebungsvereinbarung geschlossen, besteht hingegen stets ein Anspruch auf Ausgleich, soweit die übrigen Voraussetzungen vorliegen.

    Nähere Infos über das Thema: Beendigung des Vertrages

  • Einen Ausgleich gibt es nur für Unternehmervorteile in der Zukunft!

    Der Handelsvertreter muss Geschäftsverbindungen mit Neukunden geschaffen (oder Umsätze mit Altkunden um 100 % gesteigert) haben.
    Eine Prognose muss ergeben, dass der Unternehmer mit solchen Neukunden/gesteigerten Altkunden auch über den Zeitpunkt des Vertragsendes hinaus weiter Geschäfte tätigen wird. Das ist dann der Fall, wenn diese Kunden nicht nur im letzten Vertragsjahr, sondern auch in der Zeit davor mindestens einmal Bestellungen getätigt haben.
    Kein Anspruch nur für Folgegeschäfte mit bereits übergebenen Stammkunden!
    Kein Anspruch für Geschäfte mit Kunden, die voraussichtlich in Zukunft nicht mehr bestellen werden!

  • Die Unternehmervorteile bzw. Umsätze in den letzten 12 Vertragsmonaten sind entscheidend!

    Maßgeblich sind die Unternehmervorteile bzw. Vermittlungsprovisionen, die dem Handelsvertreter während der letzten 12 Monate seines Vertragsverhältnisses mit Neukunden oder intensivierten Altkunden vergütet worden sind.
    Bei diesen Kunden muss zu erwarten sein, dass sie auch in Zukunft Geschäfte mit dem Unternehmer eingehen werden (Mehrfachkunden).
    Bei atypischem Verlauf des letzten Vertragsjahres, also z.B. bei Freistellung des Handelsvertreters, ungewöhnlicher Umsatzschwankungen oder Umsatzeinbrüche kann ein anderer Zeitraum als Bemessungsgrundlage herangezogen werden.

  • Prognosedauer, Abwanderungsquote, Abzinsung

    Bei der Berechnung des Ausgleichs wird für die Zukunft hochgerechnet, welche Unternehmervorteile mit den geworbenen Neukunden entstehen bzw. welche Provisionen mit diesen Neukunden noch erzielt werden (Prognose).

    Je nach Langlebigkeit oder Kurzlebigkeit der zu vermittelnden Produkte, der Bestellintervalle und der Brancheneigenheiten kommt eine Prognosedauer zwischen regelmäßig 3-5 Jahren in Betracht. Im Mittel wird eine Prognosedauer von 4 Jahren der Rechtsprechung nicht beanstandet.

    Für die voraussichtlichen Verluste von Kunden muss eine Abwanderungsquote je nach den Kundenverlusten in der Vergangenheit als Abzug bei der Berechnung berücksichtigt werden.

    Ferner ist der berechnete Betrag abzuzinsen, weil es sich hier um eine Einmalzahlung an den Handelsvertreter handelt.

  • Ausgleich muss der Billigkeit entsprechen!

    Hier geht es um die Frage der Angemessenheit des Ausgleichs und der Ausgleichshöhe.
    Billigkeitsgesichtspunkte, d.h. Umstände während des bestehenden Vertrages und nach Beendigung des Vertrages, aber auch solche, die zu Beendigung des Vertrages geführt haben, können sich anspruchsmindernd oder auch erhöhend auswirken. Solche Umstände sind z.B.

    • fehlende oder nur geringe Provisionsverluste
    • wirtschaftliche oder persönliche Verhältnisse
    • vertragswidriges Verhalten des Handelsvertreters
    • Konkurrenztätigkeit
    • besondere Umstände der Vertragsbeendigung
    • Sogwirkung der Marke.
  • Alle Verdienste in den letzten 5 Jahren (oder kürzer) sind entscheidend!

    Der über den Prognosezeitraum fiktiv ermittelte Rohausgleich wird durch den so genannten Höchstbetrag begrenzt.
    Danach darf der Ausgleich höchstens eine nach dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre der Tätigkeit des Handelsvertreters berechnete Jahresdurchschnittsprovision oder sonstige Jahresvergütung betragen. Hier zählen – im Gegensatz zur Berechnung des Rohausgleichs, bei dem nur Umsätze mit Neukunden relevant sind – sämtliche Verdienste, d.h. auch solche mit nicht intensivierten Altkunden und sonstige Vergütungen.

    Ist aber der fiktiv ermittelte Rohausgleich geringer, als der Höchstbetrag, so kann nur der geringere Rohausgleich verlangt werden!
    Beim Höchstbetrag werden keine Billigkeitsabschläge oder –zuschläge vorgenommen!

  • Anspruch innerhalb einem Jahr geltend machen, sonst Ausschluss!

    Der Anspruch auf Ausgleich muss innerhalb einer Frist von 1 Jahr beim Unternehmer nach Vertragsbeendigung geltend gemacht werden. Wird der Anspruch verspätet geltend gemacht, kann der Ausgleich vom Handelsvertreter nicht mehr verlangt werden.

  • Beschränkung oder Ausschluss des Ausgleichs ist unzulässig!

    Beschränkung oder Ausschluss des Anspruchs auf Ausgleich vor Vertragsende ist unzulässig.
    Beschränkung und Ausschluss des Ausgleichsanspruchs ist jedoch bei gleichzeitiger Aufhebung des Handelsvertretervertrags und sofortiger Freistellung zulässig.
    Beschränkung und Ausschluss des Ausgleichsanspruchs nach Beendigung des Vertrages ist zulässig.

    Vereinbarung von Einstandszahlung für die Übergabe des Kundenstamms gegen Anrechnung auf einen späteren Ausgleich ist unter engen Voraussetzungen nach der Rechtsprechung zulässig. Formularklauseln hierüber sind jedoch immer wieder unzulässig. Vorsicht ist daher geboten!

    Die Ausgleichsminderung durch Anrechnung vom Unternehmen finanzierter Altersversorgung ist grundsätzlich zulässig.

10 wichtige Tipps zum Ausgleich
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